Barrierefreiheit im „Wendischen Museum“ in Cottbus

Steffen Krestin, der Leiter des Museums, (l.) stellt den Mitgliedern der Interessenvertretung Barrierefreies Cottbus die barrierefreie Garderobe des Wendischen Museums vor. FOTO: LR / Münz, Julian

Museum ohne Hindernisse

Die barrierefreie Umgestaltung des Wendischen Museums war keine leichte Aufgabe.

Enge Gänge, hohe Treppen und dicke Gemäuer: Dass das Wendische Museum in einem sehr alten Gebäude ist, erkennt man leicht. Auf das Ende des 17. Jahrhunderts datiert Museumsleiter Steffen Krestin den Bau des Hauses. „Die Kellerbereiche sind sogar noch viel älter“, fügt er hinzu.

Dementsprechend schwierig ist es, das Anfang der 1990er Jahre sanierte Gebäude barrierefrei zu gestalten. Bei der aktuell stattfindenden Sanierung ist die Museumsleitung das Thema dennoch angegangen. Seit 2013 planten die Stadt, die Interessenvertretung Barrierefreies Cottbus (IvBC) und das Architekturbüro BES daran, das wendische Museum zugänglicher für Personen mit Handicaps zu gestalten. Dass das nicht so einfach gewesen sei, berichten sie bei der Begehung des Hauses  am Mittwoch.

„Wir hatten hier eine Kombination aus einer übersichtlichen Geldsumme und einem hohen Aufwand“, sagt etwa Sven Hoffmann von der IvBC. Einige Kompromisse mussten gefunden werden, um das Denkmalprojekt barrierefrei zu machen. „Und dass, obwohl wir nicht gerne Kompromisse machen“, so der IvBC-Vorsitzende.

„Es ist so wie es ist, wir können das Haus leider nicht größer machen“, spricht auch Steffen Krestin die Herausforderungen bei dem Projekt an. Das erste Problem wartete etwa schon an der Eingangstür, wo die meisten Menschen mit Behinderung an den hohen Treppen vor dem Haus scheitern. Größere Umbauarbeiten waren dort nicht möglich und das erste Vorhaben, am Vordereingang eine Art Lift zu errichten, scheiterte aus Kostengründen.

„Solche Hubeinrichtungen sind sehr wartungsaufwändig und kosten viel Geld“, erklärt Hans Limberg vom städtischen Fachbereich Immobilien, der die Sanierung des Hauses begleitete. „Aber auch eine Rampe zu bauen, war wegen der zu hohen Steigung nicht möglich.“

Stattdessen betreten Personen mit Handicaps nun über einen neu gepflasterten Weg durch einen Hintereingang das Museum. Am Eingang ist eine Klingeleinrichtung, mit der man sich von Mitarbeitern des Museums dorthin schieben lassen kann. Weitere Ausbesserungen sind im Haus zu sehen: So wurde die schon in den 1990er Jahren eingebaute Behindertentoilette auf den neuesten Stand gebracht und die starken Höhenunterschiede in den Stockwerken mit Rampen und Fußbodenhebungen angeglichen. Einen Aufzug hatte man ebenfalls bereits in der Nachwendezeit eingebaut. Dieser führt jedoch bis heute nur vom Erdgeschoss in den ersten Stock – eine Etage höher, wo noch Räume für die Verwaltung zu finden sind, kommt man nur über die Treppen. „Für eine Erweiterung nach ganz oben hätte man das Dach stark verändern müssen, was bei dem Denkmalobjekt nicht möglich ist“, so Steffen Krestin.
Die Mitglieder des IvBC sind dennoch mehr als zufrieden mit dem Umbau. „Barrierefreiheit fängt im Kopf an“, sagt etwa Sven Hoffmann. Beim Wendischen Museum sei es ein Anliegen aller Beteiligten gewesen, das Gebäude noch zugänglicher für nicht mobile Menschen zu machen. Nur so seien überhaupt Verbesserungen möglich geworden. Trotz dessen Umständlichkeit möchten auch die Mitglieder des IvBC den Stil des Hauses nicht missen. „Es hat Altstadtcharakter“, so das Vereinsmitglied Walter Krause, der die Barrierefreiheit in seinem Rollstuhl schon ausgetestet hat. Nur kleine Mängel, etwa offene Kanten an den Rampen, musste der IvBC noch notieren.


Quelle: lr-online