Barrierefreiheit ist Denkmalschutz

Foto von der Aktion mit der Polizei

Hallenleiter rief die Polizei
© kobinet/sch

Rollstuhlfahrer in Berlin hatten jetzt die Faxen dicke und haben für ihr Recht, auf die Toilette gehen zu können, protestiert, berichtet Christiane Link in ihrem Blog auf Zeit Online: In der Arminiusmarkthalle in Berlin-Moabit veranstalteten sie einen „Piss-in“, und richteten hinter einem Vorhang eine Nottoilette mit einem Eimer ein. Die Flüssigkeit darin war bloß Tee, doch der Protest erregte Aufsehen, der Betreiber rief die Polizei.

„Seit mehr als zehn Jahren diskutiert man schon darum, ob die Halle eine barrierefreie Toilette bekommt oder nicht. Selbst als sie 2010 zu einem gastronomischen und kulturellen Zentrum umgebaut wurde, verweigerte man den Einbau einer barrierefreien Toilette und schließt damit behinderte Menschen von der Nutzung dieser Einrichtungen aus. Denn wer geht schon gerne essen oder auf eine Veranstaltung, wenn er dort nicht zur Toilette gehen kann?“, so die Journalistin, die selbst einen Rollstuhl nutzt

„Man könnte meinen, wer eine unter Denkmalschutz stehende Halle zu einem Gastronomie- und Veranstaltungszentrum umbauen kann, kann auch eine barrierefreie Toilette einbauen, ohne den Denkmalschutz zu gefährden. Es ist, wie es meistens ist in solchen Fällen, eine Frage des Willens“, so Christiane Link.

Sie hat vor Kurzem eine interessante These zum Thema Barrierefreiheit und Denkmalschutz gehört: Jemand wies darauf hin, dass sich Barrierefreiheit und Denkmalschutz keinesfalls ausschließen müssen. Im Gegenteil. Der beste Denkmalschutz für ein Gebäude sei dessen breite Nutzung. Je mehr Menschen Zugang zu einem Gebäude hätten, desto mehr würden es wertschätzen. Das steigere das Interesse, das Gebäude dauerhaft zu schützen. Wenn man aber Menschen den Zugang verwehre, hätten weniger Menschen ein Interesse daran, es langfristig zu schützen. Barrierefreiheit kann also sogar eine Maßnahme im Sinne des Denkmalschutzes sein. Diesem Ansatz entsprechend müsste die Arminiusmakthalle schnell eine barrierefreie Toilette bekommen. Und alle anderen Gebäude, bei denen man das diskutiert, ebenfalls. Aus Denkmalschutzgründen.


Quelle: kobinet-nachrichten.org