Ein Stück mehr Lebensqualität

Stephan König wird mit speziellen, für ihn entwickelten Spiegelfolien zum Lernen animiert. FOTO: BWS

Glücklich trotz Handicap

Stephan König aus Groß Gaglow kämpft mit schwersten Handicaps. Seit einem Wechsel der betreuenden Werkstatt lebt er sichtlich auf.

Als Journalist ist man eigentlich daran gewöhnt, Geschichten über Menschen mit großen Problemen oder schweren Schicksalsverläufen zu schreiben. Umso schöner ist es, einen Menschen zu begleiten, dessen Leben sich endlich zum Guten wendet. Stephan König (25) aus Groß Gaglow gehört zu diesen Menschen.

In den vergangenen Jahren hat die RUNDSCHAU den schwerbehinderten jungen Mann immer wieder besucht: Er kann nicht sprechen, nur schwer hören, zumeist ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Seine Pflegemutter Bianca Hoffmann betreut ihn seit seinem achten Lebensjahr. Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan hat sie dem Jungen viele Therapien ermöglicht und versucht, seine Lebensqualität so hoch wie möglich zu halten.

Über einige Jahre hinweg wurde Stephan tagsüber in den Werkstätten der Cottbuser Lebenshilfe betreut, nach zahlreichen Schwierigkeiten entschied sich Bianca Hoffmann, Stephan in einer anderen Einrichtung betreuen zu lassen. Seit Mai 2017 wird Stephan werktags in den Forster Werkstätten des Behindertenwerkes Spremberg betreut. Bianca Hoffmann: „Es ist unglaublich, wie sehr Stephan den Wechsel genießt. Die sehr individuelle Förderung in Forst tut ihm sichtlich gut.“

Zwar fehlen Stephan die Worte, um sein Wohlbefinden zu äußern. Doch sein strahlendes Lächeln, sein fast verschwundenes autoaggressives Verhalten und deutliche Fortschritte im Umgang mit seinem Kommunikationsgerät zeigen, wie sehr er sein Leben trotz vieler Einschränkungen genießt. Bianca Hoffmann: „Wenn man mit Stephan intensiv arbeitet und ihn motiviert, dann kann er viele Dinge leisten.“

Wichtiges Hilfsmittel ist ein „Talker“ – ein Tablet, mit dessen Hilfe er seine Wünsche artikulieren kann. „Das erfordert viel Geduld und ist im Alltag mühsam“, gibt Hartmut Klausnitzer, der verantwortliche Sozialarbeiter der Betriebsstätte Forst, zu. Doch es gehöre zur Philosophie der Einrichtung, jeden Menschen nach seinen Möglichkeiten soweit wie irgend möglich zu fördern und seine Lebensqualität zu erhöhen. Und wenn bei Stephan die Arbeit mit dem Talker dazugehört, nimmt sich ein Therapeut ganz selbstverständlich die nötige Zeit. Hartmut Klausnitzer: „So kann er uns sagen, ob er Tee oder Saft möchte, Wurst oder Käse.“ Von sprechenden Menschen würde ja auch niemand erwarten, dass sie klaglos alles essen, was ihnen vorgesetzt wird. Andererseits erwarten die Therapeuten von Stephan auch Mitarbeit: Im täglichen Morgenkreis muss er wie alle anderen einen „guten Morgen“ wünschen – auch wenn es ihm viel Kraft und Konzentration abverlangt.

14 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen werden aktuell in Forst im Förder- und Beschäftigungsbereich betreut, fünf Heilerziehungspfleger, Heilpädagogen und Ergotherapeuten arbeiten daran, ihnen die größtmögliche Teilhabe an allen Bereichen des Lebens zu ermöglichen. Bei Stephan etwa geht es um die Kommunikation, um eine Verbesserung seiner Bewegungsfähigkeit, um möglichst selbständiges Essen, um Toilettentraining.

„Wenn er nachmittags nach Hause kommt, spüren wir, dass er einen wirklichen Arbeitstag hinter sich hat“, erzählt Bianca Hoffmann. Stephan sei erschöpft, dabei aber wesentlich ausgeglichener als früher. „Uns allen geht es besser, seit Stephan in einer neuen Einrichtung ist.“ Sie selbst und ihr Mann könnten sich beruhigt darauf verlassen, dass alle notwendigen Therapien optimal ausgeschöpft werden, auch die beiden Töchter der Familie profitieren von der entspannten Situation. Ein Stück mehr Lebensqualität. Für Stephan und für seine Familie.


Quelle: lr-online