Einbau von Leitsystemen und Aufzügen im Cottbuser Bahnhof wird begrüßt

Das kommt nicht häufig vor: Der Behindertenbeirat der Stadt Cottbus hat an den Plänen für den Umbau des Bahnhofs nichts auszusetzen. „Wir sind zufrieden, an alle wichtigen Belange wurde gedacht“, erklärt Beiratschef Sven Hoffmann nach einem Termin mit dem von der Bahn beauftragten Planungsbüro.

So wird es im Tunnel und auf den Bahnsteigen Leitsysteme geben. Diese dienen blinden Menschen als Orientierungshilfe. „Ähnlich wird es ja an Bus- und Straßenbahnhaltestellen in der Stadt bereits praktiziert, zum Einsatz kommen dabei spezielle Rillen- oder Noppenplatten“, erklärt der Beiratschef. Im Tunnel seien jeweils an den Treppenaufgängen in den Handläufen Hinweise in Blindenschrift zu den jeweiligen Bahnsteigen vorgesehen. Auch der Weg zu den Aufzügen sei gekennzeichnet.

Nach dem Umbau sollen die bisher nur per Treppe angeschlossenen Bahnsteige über einen Aufzug erreichbar sein. Das sei für Rollstuhlfahrer oder Reisende, die auf einen Rollator angewiesen sind, eine Grundvoraussetzung, um überhaupt die Bahn nutzen zu können.

Komplett ohne fremde Hilfe werden allerdings Rollstuhlfahrer auch nach dem Umbau in Cottbus nicht mit der Bahn fahren können. Das größte Problem wird nämlich nur zum Teil behoben: die unterschiedlichen Höhen zwischen den Zügen und den Bahnsteigkanten. Viele Bahnsteige am Cottbuser Hauptbahnhof sind gegenwärtig zu niedrig. So wird das Einsteigen zu einer mühsamen Angelegenheit gerade für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sind. Die Bahnsteige 2 und 3 beispielsweise sind gerade einmal 22 Zentimeter hoch. Ein Beispiel für einen guten Standard liefert der Bahnsteig 1, der nicht mehr angepasst werden muss. Dieser liegt immerhin 55 Zentimeter höher als die Schienen. Dieser Wert soll nach dem Umbau auch auf den anderen Bahnsteigen erreicht werden.

Doch auch dann werden Reisende, die mit Rollstuhl unterwegs sind, weiter fremde Hilfe brauchen. Einheitliche Rampensysteme gebe es nicht. „Wir haben ja außerdem das Problem, dass verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Fahrzeugen den Bahnhof bedienen“, erklärt Sven Hoffmann. Der Bahnkunde, der Hilfe beim Ein- und Aussteigen benötigt, muss dies auch künftig vorher anmelden. „Das Anmeldesystem bedeutet zwar wieder eine Einschränkung, aber nach unseren Erfahrungen klappt das sehr gut. Ich kann auch die Bahn verstehen, dass sie nicht überall Personal auf den Bahnsteigen vorhalten kann.“ Barrierefrei ist laut Fahrgastverband ProBahn ein Bahnhof dann, wenn keine Stufen zwischen Bahnsteig und Zug zu überwinden sind. Auch darf der Abstand zwischen Fahrzeug und Bahnsteigkante nur maximal fünf Zentimeter betragen. Die Türen der Fahrzeuge müssen ausreichend breit sein.

Einen Wermutstropfen gibt es für Sven Hoffmann allerdings doch noch. „Es ist schade, dass am Empfangsgebäude selbst nichts getan wird“, sagt er. So sei die obere Etage im Bahnhof für Rollstuhlfahrer weiterhin nicht erreichbar.

Zum Thema:
Noch in diesem Jahr soll laut Bahn mit dem Umbau des Cottbuser Bahnhofs begonnen werden. Die Arbeiten sind bis 2017 geplant. Insgesamt will das Verkehrsunternehmen rund 23 Millionen Euro investieren. Parallel dazu will die Stadt den Bahnhofsvorplatz umgestalten. Hier soll sich der städtische sowie Nah- und Fernverkehr bündeln.

Quelle: lr-online