Engagement für mehr Barrierefreiheit

Schwerhörigenverein Cottbus macht sich seit 30 Jahren für Belange der Betroffenen stark

Laut Statistik leiden 14 Millionen Deutsche unter Schwerhörigkeit. Umgerechnet auf Cottbus wäre jeder neunte Einwohner der Stadt betroffen. Der Schwerhörigenverein Cottbus setzt sich seit 30 Jahren für die Belange der Betroffenen und für Barrierefreiheit ein.

  Gudrun Heller-Richter zeigt das Ohr-Symbol, das – wie hier am Cottbuser Rathaus – Servicepunkte für Schwerhörige ausweist. Foto: privat


Gudrun Heller-Richter zeigt das Ohr-Symbol, das – wie hier am Cottbuser Rathaus – Servicepunkte für Schwerhörige ausweist.
Foto: privat

Gudrun Heller-Richter weiß genau, was es heißt, mit einer Hörbehinderung leben zu müssen. Sie selbst war noch keine 40 Jahre alt, als ihre Hörkraft nachzulassen begann. Ihre zunehmende Schwerhörigkeit führte dazu, dass sie schweren Herzens ihren Beruf als Lehrerin aufgeben musste. „Ich habe mich damals für mein Hörgerät geniert. Schwerhörigkeit war ein Stigma und wird leider immer noch mit Alter und Senilität assoziiert. Ich kenne die Unsicherheit, Gesprächspartner misszuverstehen oder Wichtiges nicht mitzubekommen. Es ist einfach unangenehm, immer wieder nachfragen zu müssen. Irgendwann lässt man es, zieht sich zurück. Dieser Weg kann Hörbehinderte in die unfreiwillige Isolation und nicht selten sogar in die Depression führen. Von Beethoven ist der Satz überliefert: Inmitten der Menschen und doch allein“, weiß Gudrun Heller-Richter. Seit 30 Jahren setzt sie sich dafür ein, dass Betroffene besser mit ihrer Behinderung leben können.

Gudrun Heller-Richter ist die Vorsitzende des Schwerhörigenvereins Cottbus – seit seiner Gründung vor 30 Jahren. „Als ich gefragt wurde, ob ich das Ehrenamt übernehmen würde, habe ich vorübergehend Ja gesagt“, meint sie lachend. In der Wendezeit war sie Präsidentin des Bundes der Schwerhörigen der DDR, nach dem Zusammenschluss mit dem Westen hat Gudrun Heller-Richter sich im Deutschen Schwerhörigenbund (DSB) für die Belange der Betroffenen in Ostdeutschland eingesetzt. Über zehn Jahre lange war sie ehrenamtlich Vizepräsidentin des DSB.

Hauptamtlich hat Gudrun Heller-Richter für das Landesamt für Soziales und Versorgung den Integrationsfachdienst für Menschen mit Hörbehinderung, Schwerhörige und Ertaubte aufgebaut. Beruflich und ehrenamtlich hatte sie immer wieder mit den Problemen Betroffener zu tun, zu denen viele junge Menschen, auch Kinder zählen. Sie weiß, wie wichtig für sie Beratung, Information und Erfahrungsaustausch sind. „Genau das will unser Verein in Cottbus bieten. Wir informieren über Gesetzlichkeiten und technische Hilfsmittel. Wir erklären, welche Leistungen Betroffenen zustehen und wie man sie beantragen kann. Wir schulen Berater und setzen uns für mehr Barrierefreiheit in der Stadt ein. Wir feiern aber auch gemeinsam oder besuchen Vorträge, Sport- und Kulturveranstaltungen“, zählt die Vereinsvorsitzende auf. „Wenn wir als Verein auftreten, werden wir mit unseren Anliegen eher gehört. Gute Partner haben wir zum Beispiel im Behindertenbeirat und bei der Behindertenbeauftragten der Stadt gefunden“, freut sich Gudrun Heller-Richter.

In Sachen Barrierefreiheit sei in Cottbus aus Schwerhörigensicht schon einiges getan worden. „Es wurde schon viel erreicht, aber es reicht noch nicht“, sagt sie und nennt Beispiele: „In der Stadthalle, im Planetarium, im Staatstheater oder im Stadthaus gibt es zum Beispiel Anlagen für induktives Hören, auf die Hörgeräte eingestellt werden können. Im Rathaus, in der Oberkirche oder bei Cottbusverkehr gibt es Servicepunkte speziell für Hörbehinderte. Das ist sehr hilfreich. Aber längst nicht jedes Kino ist mit dieser Technik ausgestattet.“

„Schwerhörigkeit kann man nicht sehen und sie tut nicht weh. Deshalb wird sie oft nicht wahrgenommen“, sagt Gudrun Heller-Richter. Viele Betroffene schreckten davor zurück, ein Hörgerät zu tragen. Nicht zuletzt wegen der hohen Zuzahlungen, die die Patienten tragen müssen. „In Deutschland gibt es 14 Millionen Schwerhörige, aber nur 2,5 Millionen sind mit einer Hörhilfe versorgt“, bedauert die Vorsitzende des Cottbuser Schwerhörigenvereins.

Kontakt zum Cottbuser Schwerhörigenverein unter Telefon 0355 714885.

Am kommenden Montag, 20. Oktober, begeht der Schwerhörigenverein Cottbus sein 30-jähriges Jubiläum. Um 13 Uhr beginnt im Stadthaus eine öffentliche Festveranstaltung mit einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion zum Thema Schwerhörigkeit. Daneben wird es hilfreiche Infos für Betroffene geben. Von 10 bis 20 Uhr können Interessierte auf dem Altmarkt ihr Gehör testen lassen.

Quelle: lr-online.de