Ganz normal und doch besonders

CAP-Markt gibt sechs Menschen mit Behinderung einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt

Der CAP-Markt in der Fürst-Pückler-Passage in Cottbus ist auf den ersten Blick ein Supermarkt. Den meisten Kunden fällt wohl kaum ein Unterschied zu anderen Lebensmittelgeschäften auf. Ganz normal eben. Und doch ist genau das etwas Besonderes. Denn die Hälfte der Mitarbeiter lebt mit einer Behinderung.

Foto: Kunde zahlt an der Kasse des CAP-Markt Cottbus


Claudia Hannemann (30) ist eine Integrationsmitarbeiterin im CAP-Markt in der Fürst-Pückler-Passage. Inge Runge gehört zu den Stammkunden.
Foto: Peggy Kompalla

Nadja Bobusch steht hinter dem Tresen des Back-Shops. Gleich von zwei Seiten haben sich Kunden angestellt. Es ist Mittagszeit. Die Leute sind hungrig und entsprechend ungeduldig. Mit konzentrierter Mine nimmt die junge Frau die Bestellungen entgegen und lässt sich nicht davon aus der Ruhe bringen, dass eine Kundin an der anderen Schlange „nur“ schnell einen Kaffee will. Mehrere Augenblicke und ein Lächeln später reicht sie auch ihr die Tasse über die Theke.

„Das ist mein erster fester Job“, erzählt die 31-Jährige später in einer Pause. Sie gehört zum Stammpersonal des CAP-Marktes, der vor fünf Jahren seine Pforten in der Fürst-Pückler-Passage öffnete. Sie ist eine von sechs Integrationsmitarbeitern. So nennt sie Marktleiterin Manuela Walter. Das Wort Behinderte mag die Chefin überhaupt nicht hören. „Das Handicap ist doch nur ein kleiner Teil ihrer Persönlichkeit. Hier gibt es kein Mitleid. Die Menschen sind wie sie sind“, betont sie. Genau aus dem Grund gibt sich der CAP-Markt betont normal. „Die Leute sollen nicht mit einem Vorurteil reinkommen, sondern den Markt erleben.“

Im Geschäft in Cottbus müssen alle zwölf Mitarbeiter die gleichen Aufgaben erledigen. „Jeder hat seinen Verantwortungsbereich“, sagt die resolute Leiterin. Sie ist sicher: „Wenn ich mal ausfalle, schmeißen sie den Laden. Da habe ich nicht die geringste Sorge.“

Als Nadja Bobusch das hört, zuckt ihr ein Lächeln um die Lippen. „Ich bin durch die Arbeit viel Erwachsener geworden“, gibt sie freimütig zu. „Ich trau mir viel mehr zu, auch im Alltag außerhalb der Arbeit.“ Das ist wohl die größte Veränderung, die Manuela Walter bei allen sechs Integrationsmitarbeitern beobachtet. „Sie haben alle an Selbstbewusstsein gewonnen und können Probleme allein lösen. Sie sind auch nicht mehr so zurückhaltend. Schließlich gibt es nicht nur nette Kunden.“

Damit wäre die Intention der CAP-Märkte schon erklärt. Denn sie bringen Menschen mit Behinderungen auf den ersten Arbeitsmarkt. Die Integrationsmitarbeiter in Cottbus leben mit psychischen Erkrankungen oder Lerneinschränkungen. Es gibt nur einen Unterschied zu ihren Kollegen ohne ein solches Handicap. Sie sind maximal sechs Stunden im Dienst. Manuela Walter erzählt: „Mich hat überrascht, wie leistungsfähig sie alle sind und welche Reserven sie haben.“

Der CAP-Markt in Cottbus ist der einzige in ganz Brandenburg und ein Tochterunternehmen der Lebenshilfewerkstätten Hand in Hand. Der Markt trägt sich selbst und führt das Edeka-Vollsortiment. Für Inge Runge ist das ausschlaggebend. Die Cottbuserin schiebt ihren Wagen zur Kasse. „Ich weiß, dass einige Mitarbeiter ein Handicap haben. Aber das merkt man fast gar nicht. Ich habe da auch gar keine Berührungsängste.“

Zum Thema:
Der erste CAP-Markt entstand im Jahr 1999 im baden-württembergischen Herrenberg mit acht Integrationsmitarbeitern. Betrieben wurde er durch die ansässige Integrationswerkstatt. Heute gibt es über 100 CAP-Märkte in ganz Deutschland. Bis Ende 2013 sind so Arbeitsplätze für 824 behinderte Menschen geschaffen worden. In den Märkten arbeiteten 1438 Menschen in Voll- oder Teilzeit.


Quelle: lr-online.de /pk