Wohnen ohne Stolperfallen und gefährliche Hindernisse

Cottbuser Architektin weiß, wie man barrierefrei plant und baut

Marion Engelmann ist seit 33 Jahren Architektin. Ebenso lange beschäftigt sie die Frage, wie sich das Wohnen und Leben barrierefrei gestalten lässt. „Wobei barrierefrei mehr ist, als nur eine Rampe neben den Eingang zu bauen“, sagt die Cottbuserin.

„Nach dem Krieg gab es sicher sehr viel mehr Menschen mit Behinderungen als heute, aber damals hatte die Gesellschaft keine Kapazitäten, sich um dieses Thema zu kümmern. Jetzt sind wir sensibilisiert.“ Zwar fände jeder das idyllische Kopfsteinpflaster in heimeligen Altstadtgassen schön. „Aber das ist weder für Kinderwagen, Rollatoren noch für Frauen in High Heels angenehm.“

Also geht es darum, das moderne Alltagsleben so zu gestalten, dass alle Menschen daran teilhaben können. „Auch Taube sollten einen Feueralarm hören, geistig Behinderte sollten Formulare verstehen und ausfüllen können.“ Sie als Architektin weiß, dass es für die meisten Alltagsprobleme gerade auch älterer Menschen inzwischen sinnvolle Hilfsmittel gibt.

„Für allein lebende Menschen ist zum Beispiel ein kleiner Teppich sinnvoll, in den ein Sensor eingebaut ist. Steht der Bewohner auf und tritt auf diesen Teppich, wird ein Signal an eine Pflegeeinrichtung geschickt. Dort weiß man dann, dass alles in Ordnung ist.“ Für ältere Menschen bedeutet diese Einrichtung zusätzliche Sicherheit. „Sie können sich darauf verlassen, dass schnell Hilfe kommt, wenn sie mal nicht mehr aus dem Bett können.“ Andere wichtige Umbauten seinen im Bad hilfreich. „So gibt es sehr praktische Duschrollsitze, die sich relativ unkompliziert einbauen lassen. Damit lässt sich eine Duschwanne sicher überwinden, auch die Rutschgefahr beim Duschen ist gebannt.“ Ein ähnliches Hilfsmittel bietet sich an für den Gang vom Wohnzimmer auf die Terrasse oder den Balkon. „Leider planen immer noch fast alle Architekten hier eine hohe Schwelle ein, die ältere Menschen verunsichert.“ Hier kann der Einbau einer Stange helfen, an der ein beweglicher Sitz befestigt ist.

„Es gibt sehr viele Möglichkeiten, das Leben im Alter zu erleichtern“, weiß die Architektin. Wichtig sei es, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen.

„Wenn die Kinder aus dem Haus sind, ist ein guter Zeitpunkt, das eigene Leben neu zu sortieren“, sagt sie. Dann könne man entscheiden, ob man dauerhaft etwa im eigenen Haus leben wolle, ob eine kleinere Wohnung im Stadtzentrum ausreicht oder ob Angebote für Betreutes Wohnen ins Auge gefasst werden sollten. Eine Checkliste kann helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ist die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr gut? Gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken in der Nähe?

Ist die Wohnung ausreichend gesichert (Türspion, Rollos an Erdgeschossfenstern, helle Beleuchtung vor der Wohnungstür)?

Die Türklingel sollte gut hörbar sein. Telefon mit Direktwahl und großen Tasten. Keine Türschwellen, rutschhemmender Bodenbelag. Ausreichend Steckdosen, um gefährlichen „Kabelsalat“ zu vermeiden.

Gut zugängliche Arbeitsflächen in der Küche, Höhenanpassung für Herd, Geschirrspüler und Ähnliches. Ausreichend Bewegungsspielraum, auch mit Gehhilfen.

Im Bad sollte die Tür nach außen zu öffnen sein, auch von außen zu entriegeln sein. Beinfreiheit unter dem Waschbecken ermöglicht das Waschen im Sitzen (Spiegel bis an den Beckenrand nach unten ziehen). Erhöhnung der Toilette, Einstieghilfen, Haltegriffe.

Anpassung der Betthöhe im Schlafzimmer. Freier Durchgang vom Bett zum Bad. Telefon am Bett. Lichtschalter und Lampe direkt am Bett.

Marion Engelmann: „Die Möglichkeiten, das Leben zu erleichtern, sind vielfältig. Und so verschieden die Wohnprobleme sind, so unterschiedlich können auch die Lösungen ausfallen.“

Quelle: lr-online